17.3.2010: Zerissen. Verbrannt. Vergessen?

Die Robert-Havemann-Gesellschaft und die Bundesbeauftragte für die Unterlagen der Staatssicherheit der ehemaligen DDR laden Sie herzlich ein:

Zerissen. Verbrannt. Vergessen?
Die Vernichtung von Stasi-Unterlagen und deren Folgen für die Aufarbeitung

Mittwoch, 17. März 2010, 19 Uhr
Landesvertretung des Freistaates Thüringen beim Bund
Mohrenstraße, Berlin Mitte

In den ersten Monaten des Jahres 1990 war das MfS das überragende Thema in der Öffentlichkeit. Zu lange hatte die STASI Angst und Schrecken verbreitet. Die Bevölkerung in den Ostblockstaaten wurde in einem Maße geheimpolizeilich überwacht, wie es bis dahin kaum vorstellbar war. Zwar wusste kaum jemand, was wirklich in den Millionen Akten stand. Aber viele Menschen glaubten, dass es am besten sei, alle Akten zu vernichten, weil sie eine "Zeitbombe" darstellten und das Klima in der Gesellschaft nur vergiften würden. In den meisten Osteuropäischen Ländern wurden die Akten vernichtet oder werden bis heute unter Verschluss gehalten. In Ostdeutschland wurde ein großer Teil gerettet und der öffentlich zugänglich gemacht.

Bereits im Herbst 1989 gab es innerhalb des MfS Vernichtungen im großen Stil, wobei vor allem "operative Handakten" betroffen waren. Außerdem wurden zielgerichtet Unterlagen von wichtigen IM und Vorgängen vernichtet. 16.000 prall gefüllte Säcke mit Unterlagen warten immer noch auf ihre Rekonstruktion, die noch viele Jahre dauern wird. Später wurden mit Billigung des Runden Tisches ein Großteil der elektronische Datenträger vernichtet.

Wie lässt sich die Frage der Aktenvernichtung 20 Jahre später beantworten? Welche Lücken wurden durch die Vernichtungen tatsächlich gerissen? Welche Befürchtungen und Hoffnungen waren mit der Vernichtung bzw. Erhaltung der Akten verbunden? Wie wichtig ist der Aktenbestand für die Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur heute? Wie stellt sich die Situation in Deutschland im Vergleich zu anderen osteuropäischen Ländern dar?

Begrüßung:
Reinhard Stehfest, Bevollmächtigter des Freistaats Thüringen beim Bund
Dr. Olaf Weißbach, Robert-Havemann-Gesellschaft

Einführung: Andreas Petter, BStU

Podiumsdiskussion:
David Gill, 1989 Mitglied der AG Sicherheit des Runden Tisches der DDR
Roland Jahn, Journalist, rbb
Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk, BStU
Miroslav Lehký, Institut für das Studium totalitärer Regime, Prag

Moderation: Gunter Latsch, Der SPIEGEL

Die Veranstaltung ist eine Koproduktion der BStU und der Robert Havemann Gesellschaft und wird im Rahmen des Projekts „Friedliche Revolution 1989/90“ aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin und des Beauftragen der Bundesregierung für Kultur und Medien auf Grund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages verwirklicht.

herzlich
Uwe Richter
Presse/Öffentlichkeitsarbeit
Robert-Havemann-Gesellschaft e.V.